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In erster Linie geht es bei verschlüsselten Datenverbindungen darum,
dass niemand mithören kann, welche Daten übertragen werden (selbst wenn er es
irgendwie schaffen würde, den Datenstrom zu belauschen). Bei Mail gibt es dazu
zwei Ansätze: Entweder man verschlüsselt die Mail, das Protokoll aber
nicht, dann kann der Lauscher allerdings Sachen wie das Passwort (abhängig vom
Authentifikationsverfahren) mithören, oder aber man verschlüsselt die
komplette Verbindung, dazu kommen dann entweder SSL (Secure Socket Layer)
oder TLS (Transport Layer Security) zum Einsatz.
Wie funktioniert nun so eine Verbindungsverschlüsselung? Aus
Geschwindigkeitsgründen benutzt man eine symmetrische Verschlüsselung für
die eigentliche "Nutzlast", d.h. für Ver- und Entschlüsselung wird der gleiche
Schlüssel eingesetzt. Eine asymmetrische Verschlüsselung (anderer
Schlüssel zum Verschlüsseln als zum Entschlüsseln) arbeitet mit sehr großen
Primzahlen und ist daher rechenintensiv.
Nun muss für die symmetrische Verschlüsselung der Schlüssel ja beiden Seiten
bekannt sein, dieser muss also irgendwann über das unsichere Medium übertragen
werden. Das ist unsicher.
Also nutzt man zu Beginn der SSL/TLS-Verbindung zunächst asymmetrische
Verschlüsselung, um einen je Verbindung individuellen symmetrischen Schlüssel
auszuhandeln.
Für die asymmetrische Verschlüsselung hat der Mailserver einen privaten
Schlüssel, mit dem er die Daten verschlüsselt und den nur er kennt, und einen
öffentlichen Schlüssel, den er dem Mailprogramm mitteilt, und mit dem es die
Daten entschlüsseln kann. Umgekehrt verschlüsselt das Mailprogramm die Antwort
mit dem öffentlichen Schlüssel und der Server kann diese dann nur mit dem
privaten Schlüssel entschlüsseln. Es ist also sichergestellt, dass niemand
lauschen kann und dass sich der
Server nicht zwischendrin "ändert". Hat man sich so auf einen symmetrischen
Schlüssel geeinigt, dann wird auf symmetrische (schnellere) Verschlüsselung
umgestellt. Den symmetrischen Schlüssel kann niemand belauschen, wenn er lang
genug gewählt wurde (darum kümmert sich die SSL/TLS-Schicht selbst). Dann kann
man ihn auch nur mit (derzeit) riesigem Rechenaufwand knacken, und das auch nur,
wenn man "Brocken" des Klartextinhalts kennt.
Der private Schlüssel ist auf dem Server in einer Key-Datei enthalten, der
öffentliche Schlüssel wird der Zertifikatsdatei entnommen.
Warum heißen Zertifikate nun Zertifikate und nicht nur Schlüssel?
Zusätzlich zum Schutz gegen das Abhören möchte man gerne auch noch die
Sicherheit haben, dass das Gegenüber (der Mailserver) auch wirklich der ist, der
er behauptet zu sein. D.h. man erzeugt auf Basis des privaten Schlüssels eine
Zertifizierungsanfrage (die den öffentlichen Schlüssel enthält), schickt diese
einer Zertifizierungsstelle und diese stellt dann - wenn sie die Echtheit des um
Zertifizierung Bittenden prüfen und bestätigen kann - das Zertifikat aus. Dazu
wird das Zertifikat mit Daten aus dem Zertifizierungsstellen-Zertifikat digital
signiert.
Der Browser oder das Mailprogramm akzeptiert so ein Zertifikat nur dann
widerspruchslos, wenn er die Zertifizierungsstelle (also deren
Zertifizierungsstellenzertifikat) bereits kennt. Nur dann kann er die Signatur
prüfen.
Wer also seine Mail verschlüsseln möchte, kann sich bei der gemeinnützigen
Zertifizierungsstelle www.cacert.org
Zertifikate besorgen, die kostenlos und in der Abwicklung sehr unkompliziert
sind. Leider ist diese Zertifizierungsstelle bisher nur wenigen Browsern "ab
Werk" bekannt, d.h. man muss in der Regel noch für eine Weile deren
Zertifizierungsstellenzertifikat per Hand installieren, damit es keine
Sicherheitsabfragefenster mehr gibt.
Daniel Weber
Stand:
28.01.2010
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